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05.10.2018, 21:47 Uhr | WG
Kreis-CDU diskutiert in Radebeul über Gesellschaft im Umbruch: Müssen unser Eliten ihre Leitbilder verändern?
Impulsvorträge von Dr. Klaus-Rüdiger Mai und Dr. Jörg Bernig
Wir spüren, dass neue Herausforderungen wie Globalisierung, Migration, der Aufstieg Chinas,  die Ausbreitung des politischen Islams oder das Auseinanderdriften der EU auch neue Antworten verlangen. Was bedeutet das für die Eliten unseres Landes? Was bedeutet  das für unsere Region? CDU-Kreisvorsitzender Dr. Ulrich Reusch hatte Ende September die Publizisten und Autoren Dr. Klaus Rüdiger Mai aus Potsdam und Dr. Jörg Bernig aus Radebeul in den Goldenen Anker eingeladen, um gemeinsam darüber nachzudenken. 
 
 
Dr. Klaus Rüdiger Mai (links), Moderator Dr. Stephan Dreischer (Mitte) und Dr. Jörg Bernig (rechts) im Goldenen Anker in Radbeul
Für den Historiker Klaus Rüdiger Mai mache die Vielzahl von Krisen deutlich, dass sich Grundlagen der Gesellschaft ändern. Wir stünden heute vor einem Paradigmenwechsel wie an der Schwelle vom Spätmittelalter zur Neuzeit,  als der einzelne Mensch als Subjekt in den Mittelpunkt rückte und  Wissenschaft und Kultur zur Blüte verhalf.  Die bisherigen Begriffe wie links oder rechts hätten ausgedient. Die neuen Lager seien  die Gruppe der Globalisten, die sich überall auf der Welt zurecht finden und die Kommunitaristen, die Mehrheit der Bürger, denen weiterhin die Verankerung in der Region, die eigene Identität und Kultur wichtig bleibe. Dieser Riss gehe durch die Anhänger aller Parteien mit Ausnahme der Grünen. 

Andererseits stelle man fest, so Mai, dass die Globalisierung an ihr Ende gekommen sei. Nationalstaatliche Blöcke entstehen neu wie Rußland oder China. Auch die Regionen würden im digitalen Zeitalter wieder wichtiger. Menschen suchten verstärkt nach Verwurzelung, nach Heimat und Identität.  Mai warb dafür, Europa verstärkt von den Regionen, von den Nationen aus zu denken und nicht als Zentralstaat. 
 
Als Antwort auf diese Herausforderungen sei ein neuer Konservatismus notwendig,  denn der rot-grüne Mainstream habe auf die drängenden Fragen keine Antwort. Wenn die Konservativen keine Antwort liefern, dann rutsche die Gesellschaft wirklich nach rechts, warnte Mai. Wenn die CDU ihr konservatives Erbe nicht annehme, dann folge eine Polarisierung zwischen AfD und Grünen. 

„Erkenne die Lage!“ mit diesem Zitat von Gottfried Benn forderte Jörg Bernig   aus dem Blick eines Kulturschaffenden den  politisch-medialen Komplex auf, Abschied von der „Wunschwirklichkeit“ zu nehmen.  Er verwies dabei auf die Ereignisse der Silvesternacht in Köln oder kürzlich in Chemnitz. Die Eliten, die CDU eingeschlossen,  wollten das Land und die Gesellschaft verändern, bunt, multikulturell  und weltoffen gestalten. Die zentrale Frage laute jedoch, was Deutschland denn ausmache und da beklagte  Bernig eine gewisse kulturelle Selbstvergessenheit. 
 
Bernig erinnerte daran, dass das Aufeinanderprallen der Kulturen  Europas mit  und der islamischen Welt nichts neues sei, sondern  bereits seit Jahrhunderten stattfinde. Der türkische Präsident Erdogan sehe sich ganz in dieser Tradition, wenn er etwa in Bosnien öffentlich äußere, dass die Türken Europäer seien und seit 1.000 Jahren nach Europa drängten. 
 
Notwendig sei es, so Bernig, das westeuropäische Denken zu erweitern um das Denken Osteuropas. Die westlichen Eliten müssten die Augen öffnen und aufpassen,  Toleranz nicht  mit Unterwerfung zu verwechseln. Von den  drei Totalitarismen des 20. Jahrhunderts, dem Kommunismus, dem Nationalsozialismus und dem politischen Islam,  seien  bisher nur die ersten beiden  abgewehrt worden. Er empfahl eine Rückbesinnung auf das Denken der Renaissance und der Aufklärung.  Wie Mai, so warb auch Bernig dafür, Heimat als Wurzel, als reich gefüllte kulturelle  Bibliothek als urmenschliches Anliegen zu verstehen und wertzuschätzen. 
 
Den kritischen Impulsvorträgen, denen die Zuhörer konzentriert folgten,  schloss sich  eine nachdenkliche Diskussion an, die jedoch mehr Fragen aufwarf als konkrete Lösungen. Im Ergebnis des Abends wurde deutlich, dass wir in den nächsten Jahren um grundlegende Entscheidungen über die Ausrichtung unseres Landes nicht herumkommen.  Kurskorrekturen dürften  unvermeidlich sein werden, wenn wir auch künftig in  Frieden und Freiheit, Sicherheit und Wohlstand leben wollen. Doch neben diesen Fragen der großen Politik könne sich jeder in seinem persönlichen Umfeld  in seiner Stadt einbringen und so die eigene Heimat mitgestalten.
 
Nachtrag:
Am Tag nach der nachdenklichen Diskussion im Goldenen Anker schrieb Reiner Burger  in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die Einweihung der Kölner Ditib-Zentralmoschee: „Nicht der Bundespräsident wird den schon seit längerem fertig gestellten Bau eröffnen, wie die Ditib einst nicht müde wurde zu verkünden, sondern der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Es soll der Schlussakkord seines Besuchs in Deutschland sein….. Weder Vertreter der Bundesregierung noch der Landesregierung werden am Samstag auf dem Vorplatz der Moschee anwesend sein, wenn Erdogan seine nach derzeitigen Planungen rund zwanzig Minuten lange Eröffnungsrede hält. Zuletzt  sagte auch  die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette  Reker (parteilos) ihr Kommen ab, weil man ihr nicht zusichern wollte, dass sie zu Wort kommt.“ 
 

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